Teil 1: Die 7 hawaiianischen Prinzipien verstehen
Woher die sieben Prinzipien kommen und wie sie verstanden werden können
Huna ist ein Begriff, der heute häufig verwendet wird.
In der Körperarbeit, in spirituellen Kontexten, im Coaching.
Oft verbunden mit der Idee eines alten, geheimen Wissens aus Hawaii.
Genau hier lohnt es sich, kurz hinzuschauen.
Nicht, um etwas schlechtzureden – sondern um sauber zu unterscheiden.
Woher der Begriff Huna stammt
Das Wort Huna bedeutet im Hawaiischen so etwas wie „verborgen“ oder „unsichtbar“.
Als zusammenhängende spirituelle Lehre stammt Huna jedoch nicht aus der traditionellen Überlieferung der Kānaka Maoli, der „Native Hawaiian People“.
Die heute bekannte Huna-Lehre wurde im 20. Jahrhundert von dem amerikanischer Lehrer und Autor, Max Freedom Long formuliert.
Er entwickelte sie auf Grundlage eigener Beobachtungen, Sprachinterpretationen und Vergleiche mit anderen spirituellen Systemen.
Diese Lehre ist damit eine moderne Interpretation, kein direkt überliefertes Kahuna-Wissen. Viele Menschen in Hawaii sehen Huna deshalb nicht als authentischen Teil ihrer indigenen Kultur an.
Diese Klarstellung ist wichtig.
Aus Respekt. Und aus inhaltlicher Ehrlichkeit.
Die Essenz
Wenn man Huna nicht als ursprüngliche hawaiianische Tradition versteht, sondern als modernes Denkmodell, verändert sich der Blick.
Die sieben Prinzipien müssen dann nichts „beweisen“.
Sie müssen nicht alt sein.
Sie müssen nur stimmig sein.
Und das sind sie – zumindest in dem, was sie beschreiben:
Aufmerksamkeit, Verantwortung, Präsenz, Beziehung.
Themen, die in der Körperarbeit ohnehin täglich eine Rolle spielen.

Kauai, Hawaii (Bild: Brandon James, pexels.com)
Huna als Haltung
Huna funktioniert aus meiner Sicht nicht als Glaubenssystem.
Und auch nicht als Methode.
Die sieben Prinzipien geben keine Anleitung.
Sie schreiben nichts vor, geben keine fertigen Antworten.
Sie öffnen höchstens Perspektiven.
Sie beschreiben eher eine innere Ausrichtung – eine Art, auf sich selbst, auf andere und auf Prozesse zu schauen.
Gerade deshalb lassen sie sich gut mit Körperarbeit verbinden, ohne ihr etwas überzustülpen.
Die sieben Prinzipien – nüchtern betrachtet
Makia – Aufmerksamkeit lenkt Energie
Wohin Aufmerksamkeit geht, verändert sich etwas. Im Denken ebenso wie im Körper. Dieses Prinzip beschreibt keine Technik, sondern eine beobachtbare Erfahrung. Das ist keine spirituelle Behauptung, sondern eine Erfahrung.
Wo Aufmerksamkeit ist, verändert sich etwas – auch im Körper.
Mana – Kraft kommt von innen
Veränderung geschieht nicht durch äußere Kontrolle, sondern durch innere Beteiligung.
Eine Haltung, die Eigenverantwortung stärkt, statt Abhängigkeit zu erzeugen.
Veränderung lässt sich nicht von außen erzwingen.
Der Körper reagiert, wenn innere Beteiligung möglich wird.
Manawa – Jetzt ist der entscheidende Moment
Der Körper versteht keine Erklärungen, sondern das, was wir jetzt wirklich erleben und spüren.
Veränderung beginnt mit unserer eigenen Präsenz im Augenblick.
Der Körper lebt immer im Jetzt – und genau dort beginnt echte Wandlung.
Aloha – Haltung im Kontakt
Aloha ist kein Gefühl, sondern eine innere Haltung.
Offenheit, Respekt und Nicht-Bewerten schaffen den Raum für echte Begegnung.
Nicht als Emotion, sondern als bewusste Art, einander zu begegnen.
Pono – Gleichgewicht
Pono meint ein inneres und äußeres Gleichgewicht. Wahrhaftig, klar und verantwortungsvoll – sodass Erleben und Handeln miteinander übereinstimmen.
Nicht perfekt, sondern stimmig. Ein lebendiger Ausgleich im gegenwärtigen Tun.
Ike – Wahrnehmung ist subjektiv
Ike bedeutet sehen und erkennen. Nicht nur mit dem Verstand, sondern mit wacher Aufmerksamkeit.
Wahrnehmung ohne Bewertung – offen für das, was sich im Moment zeigt.
Kala – Verbundenheit
Kala bedeutet lösen und freigeben. Altes darf gehen, damit Neues entstehen kann.
Nicht als Verlust, sondern als bewusster Akt der Klärung und Befreiung.

Lava gilt auf Hawaii als Sinnbild für Zerstörungs- und Schöpfungskraft. (Bild: Brent Keane, pexels.com)
Keine Anleitung, kein Versprechen
Diese Prinzipien wollen nichts reparieren und keine Versprechen geben.
Sie sind keine Werkzeuge, die man anwendet, sondern Orientierungen, die beim Hinsehen helfen – auf die eigene Haltung, auf den Umgang mit Körpern, mit Prozessen und mit Nähe.
Als Gedanken bleiben sie abstrakt.
Erst in der Erfahrung werden sie spürbar.
Wo diese Haltung nicht nur verstanden, sondern verkörpert wird, beginnt Körperarbeit.
Ausblick auf Teil 2
Was passiert, wenn diese Haltung nicht Theorie bleibt?
Wie zeigt sie sich in Berührung, in Rhythmus, in Präsenz?
Und warum spielt die Lomi Lomi Massage genau an dieser Stelle eine besondere Rolle?
Darum geht es im zweiten Teil:
Huna im Körper – Berührung als gelebte Praxis.
