Huna im Körper

Teil 2

Berührung als gelebte Praxis

Was passiert, wenn eine innere Haltung
in Bewegung und Kontakt übergeht

Im ersten Teil ging es darum, Huna einzuordnen.
Woher der Begriff kommt.
Was die sieben Prinzipien beschreiben – und was nicht.

Hier geht es um das, was danach kommt.
Um das, was nicht mehr erklärt werden kann, sondern gespürt werden muss.

Um Berührung.

Was passiert, wenn du eine Hand auf jemanden legst

Ruhig.
Bewusst.
Ohne zu drücken.

Im Körper des anderen passiert etwas.
Dies ist keine Idee, sondern ein Messbares Ereignis. Der Oxytocin-Spiegel steigt.
Das Nervensystem kippt in Richtung Parasympathikus. Das Cortisol sinkt.

Es gibt Fasern in der Haut, die genau dafür gebaut sind. Nicht für Druck. Nicht für Schmerz.
Für langsame, sanfte, soziale Berührung.

Sie sind direkt mit sozialen Bindungs- und Wohlgefühl-Netzwerken im Gehirn verbunden.
Sie sagen dem Nervensystem einfach nur:
„Du bist in Kontakt. Das ist sicher.“

Oxytocin wirkt dabei nicht nur im Gehirn. Es wirkt im Rückenmark – moduliert, wie Schmerzsignale verarbeitet werden,
bevor sie überhaupt das Bewusstsein erreichen.

Das hat nichts mit Glauben zu tun.
Es ist Biologie.
Und das System reagiert auf das Wie der Berührung.
Nicht auf das Wie stark.

Bild: Pexels.com

Makia – Aufmerksamkeit in den Händen

Makia beschreibt: Wohin Aufmerksamkeit geht, verändert sich etwas.

In der Lomi Lomi zeigt sich das nicht als Theorie.
Es zeigt sich in dem Moment, in dem die behandelnde Person aufhört,
an den nächsten Griff zu denken –
und anfängt zu spüren, was gerade da ist.

Klienten bemerken diesen Wechsel.
Oft ohne zu wissen, was sich verändert hat.

Die Forschung zu somatischen Praktiken beschreibt etwas Ähnliches:
Nicht die Technik der Hände ist der entscheidende Faktor.
Sondern die Qualität der Aufmerksamkeit, mit der sie geführt werden.

Wo die Aufmerksamkeit ist, verändert sich etwas.
Das gilt für den Klienten.
Und für die Person, die berührt.

Manawa – der Körper ist immer jetzt

Das autonome Nervensystem reagiert nicht auf Erklärungen.
Nicht auf Absichten.
Nicht auf das, was vor einer Stunde war.

Es reagiert auf Druck.
Auf Rhythmus.
Auf die Frage, ob sich Nähe gerade sicher anfühlt.

Berührung wirkt über vagale Bahnen – direkt, im Moment des Kontakts.
Nicht vermittelt durch Verstehen.

Manawa ist kein Prinzip, das man anwendet.
Sondern ein geschehen lassen, denn der Körper wartet nicht.
Er ist immer schon im Moment – lange bevor der Verstand darauf reagiert hat.

Geh nicht über die Theorie in eine Sitzung.
Lass dich hineinsinken. Ohne Anspruch des Tuns.
Ohne den Impuls, etwas lösen zu müssen.

Lomi Lomi Nui – Berührung als Bewegung, nicht als Technik. (Bild: Rebecca Dürr)

Aloha – in der Körperarbeit

Aloha bedeutet nicht, besonders Lieb zu sein.
Oder eine bestimmte Energie mitzubringen.

Es bedeutet: nicht vorauszueilen.
Nicht schon zu wissen, was der Körper braucht.
Nicht mit einer Erwartung in den Kontakt gehen,
die der andere dann erfüllen muss.

Das klingt einfach.
Es ist schwerer als jede Technik.

Was Klienten als „Ankommen“ beschreiben –
dieses Gefühl, dass jemand wirklich bei Dir ist –
entsteht genau hier.

Lomi Lomi – Bewegung, die dem Körper folgt

Lomi Lomi ist keine Entspannungsmassage mit hawaiianischem Namen.

Sie verbindet Bewegung, Rhythmus und Kontakt –
auf eine Weise, die das Nervensystem anders anspricht
als statische Grifftechniken.

Die langen, fließenden Bewegungen folgen keinem starren Schema.
Sie folgen dem, was der Körper im Moment zeigt.

Pono – Gleichgewicht – zeigt sich dabei nicht als Ziel, das man erreicht.
Es zeigt sich darin, dass die behandelnde Person selbst geerdet ist.
Dass Geben und Empfangen nicht auseinanderfallen.

Körperarbeit, die erschöpft, stimmt irgendwo nicht.
Körperarbeit aus Pono lässt beide Seiten zentriert in sich ruhen.

Kala – was möglich wird, wenn Vertrauen da ist

Das Nervensystem lernt nicht durch Einsicht. Es lernt durch Erfahrung.

Alte Muster – Anspannung, Schutz, Rückzug – lösen sich nicht, weil jemand versteht, weshalb sie da sind.
Sie lösen sich in Momenten, in denen etwas anderes möglich wird.

Körperarbeit kann solche Momente schaffen.
Dies ist keine Garantie, dafür gibt es keine klare Methode
Aber einen Raum, in dem neue Erfahrung von Kontakt und Sicherheit überhaupt erst entstehen kann.

Kala beschreibt das nicht als Technik.
Sondern als das, was entsteht –
wenn die Haltung stimmt.

Die eigentliche Frage vor jeder Sitzung

Nicht: Welchen Griff wende ich als nächstes an?

Sondern: Aus welchem Zustand heraus berühre ich gerade?

Bin ich präsent – oder schon beim nächsten Schritt?
Neugierig – oder bereits mit einer Lösung unterwegs?
In meinem eigenen Körper – oder nur bei meinen Händen?

Diese Fragen haben keine einmalige Antwort. Sie stellen sich neu. Vor jeder Sitzung.
Manchmal auch mittendrin.

Prinzipien bleiben abstrakt, solange sie nur gelesen werden.
Erst in echtem Kontakt – in Bewegung, unter Händen, im Moment – werden sie spürbar.

Das lässt sich nicht beschleunigen.
Aber es lässt sich üben.

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